15.6.2020 | Nachhaltigkeit

BVI: Fünf Kernforderungen zur ESG-Berichterstattung von Unternehmen

Um die Ziele der EU zur Förderung nachhaltiger Investitionen zu erreichen, müssen die EU-Vorgaben für die nicht-finanzielle Berichterstattung von Unternehmen überarbeitet werden. Künftig werden für Asset Manager unter anderem die Vorgaben der EU-Offenlegungsverordnung und -Taxonomieverordnung gelten. Um ESG-Faktoren in ihre Anlageentscheidungen einbeziehen und die Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen ihrer Investitionen richtig bewerten zu können, benötigen die Fondsgesellschaften aber vergleichbare und verlässliche Informationen zur Nachhaltigkeit der Portfoliounternehmen. Anlässlich der Überprüfung der Non-Financial Reporting Richtlinie (Non-Financial Reporting Directive) durch die EU-Kommission formuliert der BVI deshalb fünf zentrale Forderungen:

1. Nicht-finanzielle Berichterstattung erweitern

Die gemeldeten Informationen sollten alle ESG-Aspekte abdecken, die für Fondsmanager relevant sind, einschließlich Daten zu:

  • Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen,
  • negativen Auswirkungen der Aktivitäten eines Unternehmens auf Nachhaltigkeitsfaktoren,
  • Einnahmen aus und CapEx/OpEx im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Aktivitäten, die nach der Taxonomie als ökologisch nachhaltig gelten.

2. Verbindliche ESG-Berichtsstandards

  • für Nachhaltigkeitsrisiken und -chancen; die standardisierte EU-Berichterstattung sollte sich dabei an anerkannten internationalen Standards orientieren.
  • für alle übrigen Elemente der Nachhaltigkeitsberichterstattung (Offenlegung negativer Auswirkungen und taxonomiekonformer Aktivitäten), die künftigen EU-Standards für die  Berichterstattung unterliegen sollen; die EU-Standards sollten weltweit gefördert werden, um Datenlücken bei Investitionen außerhalb der EU zu schließen.

3. Vorgaben der EU-Richtlinie zur nicht-finanziellen Berichterstattung (NFRD) an die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) anpassen

Das gilt insbesondere für den Ansatz zur Bewertung und Analyse der sogenannten „negativen Nachhaltigkeitswirkungen" von Investitionen auf Umwelt und Gesellschaft. Vermögensverwalter werden die negativen Auswirkungen ihrer Investitionen ohne entsprechende Berichtspflichten der Unternehmen nicht bewerten können.

4. Zentrale, kostenlose und leicht zugängliche Datenbank für Unternehmensberichte

Um gleiche Wettbewerbsbedingungen zu gewährleisten und insbesondere kleinen und mittelgroßen Asset Managern die Nutzung und Verarbeitung qualitativ hochwertiger ESG-Daten zu erleichtern, sollte eine ESG-Datenbank aufgebaut werden als

  • Quelle für ESG-„Rohdaten“, wie von den Unternehmen gemeldet,
  • zentraler Zugang zu Pflichtveröffentlichungen der Unternehmen und zu freiwilligen Berichten (z.B. von Emittenten, die nicht unter die Richtlinie zur nicht-finanziellen Berichterstattung fallen)
  • effiziente und sichere Schnittstelle zum Herunterladen maschinenlesbarer Informationen.

5.    Richtlinie zur nicht-finanziellen Berichterstattung auf alle (Groß)Unternehmen anwenden, die sich am Kapitalmarkt finanzieren wollen

Die Berichtspflichten der Richtlinie sollten für alle Unternehmen gelten, die sich über die Kapitalmärkte finanzieren wollen und bei denen die Anwendung der Vorschriften nicht unverhältnismäßig wäre, das heißt für

  • alle Großunternehmen (ab 500 Beschäftigte im Jahresdurchschnitt), die sich auf den Kapitalmärkten durch die Ausgabe börsennotierter Aktien oder Anleihen finanzieren wollen,
  • auch diejenigen Großunternehmen, die ihren Sitz außerhalb der EU haben, aber an einem geregelten Markt in der EU notiert sind, denn
     
    • ein erheblicher Anteil des Aktienvermögens deutscher Fonds wird außerhalb der EU investiert (43 Prozent für Privatkunden, 53 Prozent für institutionelle Fonds),
    • etwa 30 Prozent der europäischen ESG-Fonds (mit einem Anteil von 40 Prozent an den AuM) investieren weltweit,
    • außereuropäische Länder, wie die Vereinigten Staaten, Japan und Kanada, machen mehr als 70 Prozent des Gewichts des MSCI-World-Index aus,
    • die Asset Manager sind für die Erfüllung ihrer eigenen EU-Berichtspflichten darauf angewiesen, dass alle relevanten Emittenten entsprechende Daten veröffentlichen müssen; der Ankauf von ESG-Daten von kommerziellen Datenanbietern ist als Alternative insbesondere für kleine und mittlere Asset Manager eine zu hohe Belastung.
       

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