13.6.2019 | EU-Regulierung

Thomas Richter: Warum ein gemeinsamer Binnenmarkt nicht die Lösung ist

Einige EU-Vertreter halten einen maximal einheitlichen Binnenmarkt für das Patentrezept zur Stärkung der europäischen Fondswirtschaft im globalen Wettbewerb. Sie glauben daher, eine Super-ESMA, die die Unterschiede in der Auslegung von EU-Recht in den Mitgliedstaaten glatt bügelt, würde den grenzüberschreitenden Vertrieb erleichtern. Ein Irrtum, denn Fonds werden nicht im Direktgeschäft verkauft, sondern über Vertriebsstellen. Diese sind von Land zu Land unterschiedlich. Der Zugang zu den Verkaufsregalen dieser unterschiedlichen Vertriebsstellen ist eine viel größere Herausforderung als der Umgang mit bisweilen unterschiedlichen Auslegungen von EU-Recht in den einzelnen Mitgliedstaaten – obwohl das die Ausnahme sein sollte. Von den hunderten europäischen Asset Managern sind die meisten in ihrem Heimatmarkt und allenfalls noch ein paar wenigen anderen Mitgliedstaaten aktiv.

Wenn man für diese Asset Manager – große wie kleine – wirklich etwas tun will, dann muss man sie von der Überregulierung befreien. Nach einer Umfrage unter unseren Mitgliedern stellt sie das Hauptproblem dar, noch vor den Herausforderungen durch die Kapitalmärkte und den rasanten technischen Fortschritt. Sie bindet Ressourcen, die den Asset Managern für Zukunftsinvestitionen fehlen und wird immer mehr zum Standortnachteil. Das muss sich ändern. Wir appellieren daher an die künftigen EU-Kommissare und Parlamentarier, beim Erlass neuer Regeln neben Verbraucherschutz und Finanzmarktstabilität auch die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Finanzindustrie zu bedenken. Die USA sind damit erfolgreich. Mit ausgewogener Regulierung wäre uns weit mehr geholfen als mit Superbehörden.

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