Investmentsteuern

Das Investmentsteuergesetz ist auf OGAWs und AIFs anzuwenden. Es unterscheidet zwischen Investmentfonds und Spezial-Investmentfonds. Investmentfonds sind alle OGAWs und AIFs. Spezial-Investmentfonds sind Investmentfonds, für die im Wesentlichen die für herkömmliche Spezialfonds (sog. „offene inländische Spezial-AIF mit festen Anlagebedingungen“) geltenden Regelungen eingehalten werden und an denen keine natürlichen Personen (auch nicht mittelbar über Personengesellschaften), die ihre Anteile im Privatvermögen halten, beteiligt sind.

Besteuerung von Spezial-Investmentfonds

Die Besteuerung von Spezial-Investmentfonds erfolgt dabei weiterhin nach den Grundsätzen, die bis zum 31. Dezember 2017 galten. Insbesondere kann weiterhin eine Besteuerung auf der Fondsebene vermieden werden. Dies bedingt, dass im Hinblick auf inländische Dividenden die sogenannte Transparenzoption ausgeübt wird, so dass deutsche Dividenden des Fonds steuerlich unmittelbar den Anlegern zugerechnet werden, und dass im Hinblick auf inländische Mieten und Immobilienveräußerungsgewinne der Fonds eine Kapitalertragsteuer erhebt.

Lediglich in Bezug auf die steuerfrei thesaurierbaren Gewinne gibt es im Vergleich zu dem bis 31. Dezember 2017 geltendem Recht eine wichtige Änderung: Diese Gewinne können nicht mehr unbegrenzt steuerfrei thesauriert werden, sondern gelten nach 15 Jahren bei den Anlegern als zugeflossen, sofern sie nicht zuvor ausgeschüttet worden sind.

Für Investmentfonds, die keine Spezial-Investmentfonds sind, kommt es allerdings zu einem Systemwechsel.

Besteuerung von Investmentfonds

Auf der Fondsebene sind Investmentfonds partiell körperschaftsteuerpflichtig mit ihren inländischen Dividenden, inländischen Mieten und Gewinnen aus dem Verkauf inländischer Immobilien. Der Steuersatz beträgt jeweils 15 Prozent, wobei damit im Hinblick auf inländische Dividenden der Solidaritätszuschlag schon mitumfasst ist und der Solidaritätszuschlag ansonsten noch hinzukommt. Die Bemessungsgrundlage ist bei inländischen Dividenden brutto, d.h. ohne Abzug von Werbungskosten, und ansonsten netto, d.h. nach Abzug von Werbungskosten, zu ermitteln. Diese Steuern fallen jedoch nicht an, wenn an einem Investmentfonds ausschließlich sogenannte steuerbegünstigte Anleger (z.B. Kirchen) beteiligt sind bzw. werden diesen Anlegern erstattet, wenn neben diesen Anlegern auch andere Anleger beteiligt sind.

Auf der Anlegerebene sind grundsätzlich sämtliche Ausschüttungen und Gewinne aus dem Verkauf der Anteile steuerpflichtig. Zudem ist die sogenannte Vorabpauschale steuerpflichtig. Die Vorabpauschale ist der Wert, um den die Ausschüttungen eines Investmentfonds den Basisertrag unterschreiten. Der Basisertrag ist der Rücknahmepreis des Investmentfonds zum Kalenderjahresbeginn multipliziert mit 70 Prozent eines risikofreien Zinses. Der Basisertrag ist ferner gedeckelt auf die jährliche Wertsteigerung.

Teilfreistellungen für Anleger

Zum Ausgleich für die Vorbelastung auf der Fondsebene mit deutschen und ausländischen Steuern und den Wegfall der bis zum 31. Dezember 2017 steuerfreien Ausschüttungsbestandteile werden den Anlegern Teilfreistellungen gewährt.

Für Privatanleger bleiben Ausschüttungen, Vorabpauschalen und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen zu 30 Prozent steuerfrei, wenn ein Investmentfonds ein Aktienfonds ist. Die Teilfreistellung für Privatanleger von Mischfonds beträgt 15 Prozent, von Immobilienfonds 60 Prozent und von Immobilienfonds mit Auslandsschwerpunkt 80 Prozent.

Die Teilfreistellungen für natürliche Personen, die ihre Anteile im Betriebsvermögen halten, betragen für Zwecke der Einkommensteuer 60 Prozent für Aktienfonds, 30 Prozent für Mischfonds, 60 Prozent für Immobilienfonds und 80 Prozent für Immobilienfonds mit Auslandsschwerpunkt; für Gewerbesteuerzwecke wird jeweils die Hälfte dieser Teilfreistellungssätze angesetzt.

Für Körperschaften – mit Ausnahme von Lebens- und Krankenversicherungsunternehmen und Kreditinstituten, sofern die Investmentanteile dem Handelsbuch zuzurechnen sind – betragen die Teilfreistellungssätze für Zwecke der Körperschaftsteuer 80 Prozent für Aktienfonds, 40 Prozent für Mischfonds, 60 Prozent für Immobilienfonds und 80 Prozent für Immobilienfonds mit Auslandsschwerpunkt; für Gewerbesteuerzwecke wird jeweils die Hälfte dieser Teilfreistellungssätze angesetzt.

Für Lebens- und Krankenversicherungsunternehmen und Kreditinstitute, sofern die Investmentanteile dem Handelsbuch zuzurechnen sind, gelten die Teilfreistellungsätze für die Körperschaftsteuer, die für Privatanleger gelten; für Gewerbesteuerzwecke wird jeweils die Hälfte dieser Teilfreistellungssätze angesetzt.

Abgeltungsteuer gilt weiterhin für Privatanleger

Für Privatanleger bleibt es bei der Besteuerung im Rahmen der Abgeltungsteuer. Soweit die Einkünfte nach Berücksichtigung der Teilfreistellungssätze steuerpflichtig sind, zehren diese und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen den Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro (bei Ehegattenveranlagung 1.602 Euro) auf. Der übersteigende Betrag unterliegt dem Abgeltungsteuersatz von 25 Prozent (zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer), wobei die Abgeltungsteuer im Falle der Verwahrung der Fondsanteile bei einer inländischen depotführenden Bank oder Kapitalverwaltungsgesellschaft im Regelfall bereits von der Bank oder der Kapitalverwaltungsgesellschaft an das Finanzamt abgeführt wird.

Bestandsschutz

Im Zuge des Systemwechsels bei der Besteuerung von Investmentfonds ist zudem zu beachten, dass alle Anteile zum 31. Dezember 2017 als veräußert und am 1. Januar 2018 als angeschafft gelten. Ein fiktiver Veräußerungsgewinn ist jedoch, sofern er steuerpflichtig ist, erst dann zu versteuern, sobald die Anteile tatsächlich veräußert werden.

Privatanleger, die vor dem 1. Januar 2009 Anteile erworben hatten, verlieren aufgrund dieser Regelung ihren sogenannten Bestandsschutz, weil Veräußerungen nach dem 31. Dezember 2017 nunmehr grundsätzlich steuerpflichtig sind. Um diesen Effekt auszugleichen, sind Wertveränderungen, die ab dem 1. Januar 2018 eintreten, für Privatanleger hinsichtlich der vor dem 1. Januar 2009 erworbenen Anteile nur steuerpflichtig, soweit die ab 1. Januar 2018 entstehenden Gewinne 100.000 Euro übersteigen.


Der BVI informiert über die neuen Steuerregeln für Investmentfonds

Zur neuen Besteuerung für Investmentfonds bieten wir hier weitergehende Informationen an.