PRIIPs (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products)

Ziel: Transparenz für den Verbraucher

Am 9. Dezember 2014 wurde die PRIIPs-Verordnung im EU-Amtsblatt veröffentlicht. Die Verordnung schafft einen neuen Informationsstandard für alle verpackten Anlageprodukte (Packaged Retail and Insurance-based Investment Products - PRIIPs). Als „verpackt“ gelten Produkte, die das Geld der Kunden indirekt am Kapitalmarkt anlegen oder deren Rückzahlungsanspruch in sonstiger Weise an die Wertentwicklung bestimmter Papiere oder Referenzwerte gekoppelt ist. Dazu gehören insbesondere Investmentfonds, kapitalbildende Lebensversicherungen und Zertifikate. Nach einem langwierigen Regelungsprozess betreffend die konkrete Ausgestaltung der Anlegerinformationen im Rahmen der so genannten technischen Regulierungsstandards fällt der Startschuss für das PRIIPs-KID am 1. Januar 2018.

Informationen für Anleger

Verbraucher in der EU sollen für alle PRIIPs ein einheitliches Basisinformationsblatt nach dem Vorbild der wesentlichen Anlegerinformationen von Fonds erhalten. Letztere sind für Publikumsfonds auf Grundlage der OGAW-Richtlinie bereits seit Mitte 2011 vorgeschrieben. Deshalb müssen OGAW-Fonds die Basisinformationsblätter nach PRIIPs voraussichtlich erst ab 31. Dezember 2019 bereitstellen. Die Informationen für die Anleger umfassen die wichtigsten Merkmale der jeweiligen Produkte, insbesondere deren Risiken und Kosten. Für zertifizierte Riester-Produkte hat der deutsche Gesetzgeber 2013 die Voraussetzungen für ein einheitliches Produktinformationsblatt geschaffen. Sie sind daher zu Recht von den Anforderungen der Verordnung ausgenommen.

Verbessert das PRIIPs-KID wirklich die Aufklärung der Anleger?

Die Vorgaben der EU-Kommission für die technische Umsetzung der PRIIPs-Verordnung konterkarieren allerdings teilweise das ursprüngliche Ziel einer europaweiten Vergleichbarkeit der Produkte. Zum Beispiel können Versicherungsunternehmen für ihre fondsgebundenen Lebensversicherungen übergangsweise wählen, ob sie Kennzahlen aus den bestehenden OGAW-KIIDs verwenden oder diese nach den neuen PRIIPs-Standards berechnen. Damit entsteht bis zum Auslaufen der Ausnahmeregelung für Fonds Ende 2019 ein unnötiger Flickenteppich für die Anleger. Auch die Darstellungsweise der künftigen Wertentwicklung dürfte diese abschrecken, denn sie beginnt mit dem schlechtesten anzunehmenden Krisenszenario. Szenarien für die Wertentwicklung werden für Fonds auf Grundlage der Vergangenheitsergebnisse simuliert, was bereits im Ansatz fragwürdig ist und nach dem Aufwärtstrend der vergangenen Jahre insgesamt zu übermäßig positiven Performance-Aussichten führen kann. Erfreulich ist hingegen die Risikoklassifizierung für Aktienfonds. Künftig landen sie nicht mehr in den höchsten Risikostufen, sondern im Mittelfeld. Bei der PRIIPs-Überprüfung Ende 2018 besteht die Chance, die größten Umsetzungsschnitzer zu beheben. Dazu gehört auch der problematische Ansatz bei der Berechnung der Transaktionskosten für Fonds, der regelmäßig zu zweifelhaften, teils absurden Ergebnissen führt.

PRIIPs zügig überarbeiten

Angesichts der gravierenden Mängel, insbesondere bei den Angaben zu Kosten und Wertentwicklung, sowie der EU-Wahlen im Mai 2019 muss die PRIIPs-Überprüfung so früh wie möglich beginnen. Ohne Maßnahmen des Gesetzgebers müssten Publikumsfonds ab 1. Januar 2020 die mangelhaften PRIIPs-KIDs zusätzlich zu den wesentlichen Anlegerinformationen anbieten. Es wäre unverantwortlich gegenüber den Verbrauchern und Anlageberatern, zwei Dokumente mit inkonsistenten Angaben zu einem Fonds vorzuschreiben.

Der BVI setzt sich für eine PRIIPs-Korrektur ein und schlägt vor, den Starttermin für das PRIIPs-KID für Fonds um 24 Monate auf Januar 2022 zu verschieben.

Thomas Richter zu PRIIPs: Der EU droht mal wieder ein selbst gemachter Reputationsschaden

Gemeinsamer Brief des BVI, der Deutschen Kreditwirtschaft und des Deutschen Derivate Verbands an die EU-Kommission vom 25. Juli 2018

 

BVI-Position: Verlängerung der befristeten PRIIPs-Ausnahme für Investmentfonds vom 8. Mai 2018:

The exemption from scope of the PRIIPs framework for retail investment funds should be extended by another two years until 31 December 2021

Stellungnahme an die ESAs zu EOS PRIIPs vom 23. März 2017:

BVI’s response to the ESA’s consultation on EOS PRIIPs

Stellungnahme an die ESAs betreffend der Level-II-Maßnahmen zum PRIIPs-KID vom 26. Januar 2016:

BVI’s response to the ESAs’ Joint Consultation Paper on PRIIPs Key Information Documents from 11 November 2015

Stellungnahme an die ESAs zur technischen Konsultation vom 17. August 2015:

BVI’s comments to the Technical Discussion Paper “Risk, Performance Scenarios and Cost Disclosures in Key Information Documents for Packaged Retail and Insurance-based Investment Products (PRIIPs)”

Stellungnahme an die ESAs zum Diskussionspapier vom 17. Februar 2015:

BVI’s response to the Discussion Paper “Key Information Documents for Packaged Retail and Insurance-based Investment Products (PRIIPs)” published by the ESAs on 17 November 2014 (JC/DP/2014/02)


Stellungnahmen zu anderen Themen in chronologischer Reihenfolge finden Sie hier:

BVI-Stellungnahmen


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