BVI-Chef Thomas Richter: "Baukindergeld setzt Fehlanreize"

Baukindergeld setzt Fehlanreize

Nicht alles, was auf einem Berg verkündet wird, ist eine Offenbarung. Das gilt z.B. für die Pläne zum Baukindergeld, die die Vertreter der großen Koalition zu Beginn ihrer Klausur auf der Zugspitze angekündigt haben. Demnach soll die Förderung nicht nur früher als gedacht kommen, sondern auch rückwirkend zum 1. Januar 2018 fließen. Familien sollen für den Kauf von Wohneigentum zehn Jahre lang pro Kind einen Zuschuss von 1.200 Euro jährlich erhalten. Das klingt sozial – aber wird es auch etwas bringen?

Wir erinnern uns: Die Eigenheimzulage war lange Zeit die teuerste Subvention im Bundeshaushalt. Weil sie in die Baukosten eingepreist wurde, ist sie weitgehend verpufft. 2006 wurde sie zu Recht abgeschafft. Doch schon kurz darauf gab die Politik dem Wählerwunsch nach dem Eigenheim wieder nach und führte den Wohnriester ein. Dieser subventioniert den Wohnkonsum heute und nicht die Vorsorge in 20, 30 oder 40 Jahren. Insofern ist er als Teil der Riester-Förderung fehl am Platz, aber die Wähler und leider auch viele Politiker glauben nun einmal, das Eigenheim sei die beste Altersvorsorge. Woher wird das Geld kommen für das neue Dach in 30 Jahren oder die Arztrechnungen im Alter?

Nun also auch noch das Baukindergeld. Es wird am stärksten in ländlichen Regionen wirken, wo der Wiederverkauf am schwierigsten ist. Es wird wie die Eigenheimzulage zu Mitnahmeeffekten führen, weil es vor allem Familien erhalten, die bereits das erforderliche Eigenkapital von 20 bis 30 Prozent des Kaufpreises aufbringen. Vor allem aber wird es Milliarden von Steuergeldern verschlingen, die besser für die Altersvorsorge verwendet würden. Statt das Aktiensparen in Zeiten niedriger Zinsen zu fördern, subventioniert die Regierung den Wohnkonsum.

Schon jetzt liegt das Sachvermögen inklusive eigengenutzten Immobilien bei 77 Prozent, das Finanzvermögen nur bei 23 Prozent. Davon bestehen lediglich 20 Prozent aus direkt gehaltenen Wertpapieren und Fonds. Der Rest liegt in Sichteinlagen und Zinsprodukten, die seit Jahren keine Erträge mehr abwerfen. Der Wohlstandssicherung breiter Bevölkerungskreise wäre mit einer kapitalmarktorientierten Altersvorsorge mehr gedient. Um nicht falsch verstanden zu werden – ich habe nichts gegen Eigenheime und dem Wunsch danach. Die Frage ist nur, ob der Staat den Erwerb so massiv fördern und dabei absehbare Fehlsteuerungen auslösen muss. Ich meine nein.

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