Die kommenden Jahre werden für die Branche nicht einfacher

Die kommenden Jahre werden für die Branche nicht einfacher

Thomas Richter spricht in einem Interview über mögliche Nachteile, denen sich europäische Assetmanager infolge der fortschreitenden Regulierung der Branche gegenüber sehen.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Unterschiede in der Struktur und Marktentwicklung von europäischen und US-Assetmanagern?
Amerikanische Fondsgesellschaften wachsen seit Jahren schneller als die europäischen. Von den 30 größten Publikumsfondsanbietern in der EU-27 ist inzwischen ein Drittel aus den Vereinigten Staaten. Ihr Weltmarktanteil liegt schon bei fast 50 Prozent.

Worauf führen Sie das Marktungleichgewicht zurück?
Das hat zum einen mit dem rasanten Wachstum des ETF-Marktes zu tun, in dem die US-Anbieter traditionell stark sind. Zum anderen haben die Amerikaner die bessere Regulierung. Im Privatkundengeschäft entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg von Finanzprodukten die Regulierung. Die US-Vermögensverwalter verdanken ihre starke Marktstellung ihrem großen Heimatmarkt. Sie haben jahrelang von der steuerlichen Begünstigung von Rentensparplänen profitiert, den sogenannten 401k-Plänen. Das hat sie auf ihrem Heimatmarkt groß gemacht. Sie sind dadurch gut aufgestellt für den Export ihrer Fonds ins Ausland.

Wo sehen Sie die europäischen Asset Manager in zehn Jahren stehen?
Wenn sich die bisherige Entwicklung fortsetzt und der Margendruck weiter steigt, könnte bis dahin die Konsolidierung der Branche in Europa weit fortgeschritten sein. Ich glaube, die europäische Assetmanagement-Branche wird sich in den zehn Jahren vor uns stärker konsolidieren als sie das in den zehn hinter uns liegenden Jahren getan hat.

Welches sind die größten Herausforderungen für europäische und speziell deutsche Assetmanager?
Für unsere Mitglieder ist ganz klar die immer kleinteiligere Regulierung eine der größten Herausforderungen, vor allem seitens der EU-Aufsichtsbehörden. Wir erleben das im Tagesgeschäft, und eine BVI-Umfrage unter den Top-Entscheidern im vergangenen Jahr hat diesen Eindruck bestätigt. Auch der steigende Margendruck belastet. Eine weitere Herausforderung ist die fortschreitende Technisierung.

Welche Veränderungen wünschen Sie sich, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen und deutschen Assetmanager zu sichern?
Kurz gesagt: eine bessere Regulierung. Die Branche hat mit MiFID II, PRIIPs und der Investmentsteuerreform in Deutschland gerade erst drei Großprojekte mit hohem finanziellen und personellen Aufwand umgesetzt. Die kommenden Jahre werden für die Branche nicht einfacher. Der Druck auf die Gebühren wird steigen und die Technisierung weiter zunehmen. Die Frage ist: Unterstützt die Regulierung die Branche dabei, diese Veränderungen zu meistern, oder legt sie ihr weiter Steine in den Weg? Auch darin besteht ein wesentlicher Unterschied zu den USA. Die dortige Aufsicht berücksichtigt auch die Interessen der US-Finanzindustrie, nicht nur die der Verbraucher. Mehr Verständnis von und für die Anbieterseite ist in der EU dringend von Nöten.

Das Interview wurde am 13. Juni von der DFPA geführt.

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