Systemrelevanz von Investmentfonds

Debatte um Systemrelevanz von Asset Managern

Der Finanzstabilitätsrat FSB und die Internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden IOSCO haben im März 2015 ein erstes Konsultationspapier zur Systemrelevanz von Instituten außerhalb des Banken- und Versicherungssektors veröffentlicht („Non-Bank Non-Insurer Global Systemically Important Financial Institutions“,NBNI G-SIFIs). Dazu zählen die Aufseher auch „traditionelle“ Investmentfonds und Asset Manager. Zur Diskussion stand, nach welchen Kriterien die Systemrelevanz von Investmentfonds und Kapitalverwaltungsgesellschaften bewertet werden soll.

Umstrittene Kriterien

Zunächst hatten FSB und IOSCO für „traditionelle“ Investmentfonds wie etwa OGAW feste Schwellenwerte als Kriterium vorgeschlagen: Fonds sollten ab einem Volumen von 100 Milliarden US-Dollar Netto-Fondsvermögen oder 200 Milliarden US-Dollar Brutto-Fondsvermögen als systemrelevant gelten. Bei Asset Managern sollte die relevante Schwelle entweder bei 100 Milliarden US-Dollar Bilanzsumme oder 1 Billion US-Dollar verwaltetem Vermögen liegen. 

Inzwischen sind die beiden Organisationen von diesem Ansatz bis auf weiteres abgerückt. In einer zweiten Konsultation im Sommer 2016 befassten sie sich mit strukturellen Schwachstellen des Asset-Management-Sektor und ihren potentiellen Auswirkungen auf die Stabilität im Finanzsystem. Handlungsbedarf wurde in erster Linie im Bereich der Liquiditätssteuerung durch offene Fonds sowie bei der Angleichung der verschiedenen Messmethoden für die Hebelwirkung auf Fondsebene. Dazu hat der FSB Anfang 2017 finale Regulierungsprinzipien verabschiedet und die IOSCO mit weiterer Arbeit im Detail beauftragt. Erst nach Abschluss dieser Arbeit voraussichtlich Ende 2019 will der FSB entscheiden, ob die Suche nach einzelnen systemrelevanten Fonds und Asset Managern fortgesetzt werden soll.

BVI gegen pauschale Einordnung

Der BVI hat den ursprünglichen Fokus der Aufseher auf die Größe von Investmentfonds und Asset Managern kritisiert. Sie ist als Maßstab für deren Systemrelevanz nicht geeignet. Der Fondsmarkt ist stark fragmentiert und Fondsgesellschaften verwalten Investmentfonds treuhänderisch außerhalb ihrer Bilanz. Selbst bei Insolvenz der Gesellschaft bestünde keine Gefahr für die bei einer Depotbank getrennt verwahrten Vermögenswerte im Fonds. Auch das Verwaltungsrecht über einen Fonds kann problemlos auf einen anderen Verwalter übergehen. Eine Kettenreaktion an den Märkten ist damit ausgeschlossen.

Deshalb begrüßt der BVI die aktuellen Arbeiten von FSB und IOSCO, die sich auf die Risiken bestimmter Produkte fokussieren. Die Aufseher sollten dabei aber vermeiden, „top-down“ vorzugehen und die spezifischen Risiken unterschiedlicher Produkt- bzw. Assetklassen außer Acht zu lassen. Der BVI plädiert stattdessen dafür, die potenziellen Risiken jeweils nach Produkt und Aktivität einzeln zu bewerten. 

 

BVI-Stellungnahme vom 21. September 2016:

FSB Consultative Document for Proposed Policy Recommendations to Address Structural Vulnerabilities from Asset Management Activities

BVI-Stellungnahme vom 29. Mai 2015:

BVI’s response to the 2nd Consultative Document by the FSB and IOSCO on Assessment Methodologies for Identifying Non-Bank Non-Insurer Global Systematically Important Financial Institutions dated 4 March 2015

Stellungnahmen zu anderen Themen in chronologischer Reihenfolge finden Sie hier:

BVI-Stellungnahmen


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