Open Finance ist die Weiterentwicklung des Open Banking, der Nutzung von Kundenkontodaten der Banken durch andere Zahlungsverkehrsdienstleister. Mit der Financial Data Regulation (FiDA) plant die EU-Kommission eine erhebliche Ausweitung: Künftig sollen alle Dateninhaber in der europäischen Finanzwirtschaft – darunter auch Assetmanager und Verwahrstellen – standardisierte Kundendaten an Drittanbieter übermitteln, selbstverständlich nur mit Zustimmung des Kunden. Ziel der EU ist es, den Wettbewerb unter den Finanzdienstleistern sowie mit anderen Marktteilnehmern – insbesondere aus der Digitalwirtschaft – zu erhöhen und innovative Produkte und -dienstleistungen zu fördern.
Für die Finanzvertrieb kann das erhebliche Auswirkungen haben. Denn große Technologiekonzerne aus Drittstaaten, sogenannte Gatekeeper, könnten sich über FiDA direkten Zugang zu Finanzmarktdaten in der EU verschaffen und damit den Finanzvertrieb zunehmend kontrollieren. Damit untergräbt FiDA die strategische Autonomie der EU. Entgegen anderslautenden Beteuerungen wird sie es nicht schaffen, die Tech‑Giganten fernzuhalten. Jeder Versuch könnte Vergeltungsmaßnahmen der USA provozieren. Das Damoklesschwert heißt Section 899, also Strafsteuern gegen Staaten, die US-Unternehmen benachteiligen. Das kann die EU vermeiden, indem sie FiDA zurücknimmt.
Zudem ist der Mehrwert von FiDA ist fraglich. Schon die bestehenden Möglichkeiten der EU-Richtlinie PSD2, die im Bankenbereich die Öffnung von Kontodaten für andere Zahlungsdienstleister ermöglicht, werden nur von wenigen Kunden genutzt. Gleichzeitig wird die Bürokratielast für Anbieter von Kundendaten weiter steigen, während die Digitalkonzerne aus Drittstaaten wirtschaftlich profitieren. FiDA wäre damit ein weiterer Schlag für die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Finanzindustrie. Deshalb sollte die EU-Kommission FiDA zurückziehen.
Wo steht FiDA derzeit?
Die EU-Kommission hat ihren FiDA-Vorschlag bereits im Juni 2023 vorgelegt. Die Trilogverhandlungen zwischen Kommission, Parlament und Ministerrat haben im Januar 2025 begonnen. Die für Herbst 2025 angepeilte Einigung kam nicht zustande. Wichtige Streitpunkte sind der Umgang mit den Gatekeepern, der Umfang der zu öffnenden Daten sowie die Governance und Finanzierung der Datenaustauschformate.